Unsere Safer Space Policy


Was ist ein Safer Space?

Ein „Safer Space» (sichererer Raum) schafft ein Umfeld, in dem sich Menschen frei äußern können, ohne Angst vor Verurteilung, Kritik oder Diskriminierung. Es ist ein Ort, an dem die Würde jedes Einzelnen geachtet wird.

Die Bedeutung solcher Räume ist besonders für marginalisierte Gruppen entscheidend: Fehlt das Gefühl von Sicherheit, neigen diese Personen dazu, sich zurückzuziehen oder den Ort zukünftig ganz zu meiden. Ein echter „Safer Space» zielt darauf ab, diese Hürden abzubauen und allen Teilnehmenden das Gefühl zu geben, voll akzeptiert und geschützt zu sein.

Warum „Safer» statt „Safe»? Der Begriff „Safer Space» reflektiert, dass absolute Sicherheit in menschlichen Interaktionen nicht immer realistisch ist. Unterschiedliche Meinungen wird es immer geben. Stattdessen impliziert er, dass kontinuierlich Anstrengungen unternommen werden, um den Raum so sicher und inklusiv wie möglich zu gestalten.


Warum ist das wichtig?

Oft sind wir uns nicht bewusst, welche Erfahrungen andere mit sich tragen. Worte oder Handlungen, die wir ohne böse Absicht äußern, können für andere dennoch verletzend oder belastend sein. Das liegt selten an bösem Willen, sondern an unterschiedlichen Lebensrealitäten. In einem Safer Space erkennen wir an, dass die Wirkung unserer Worte und Taten zählt – unabhängig von unserer Absicht. (Einschub geheime Botschaft: «Ich habe») Wir wollen gemeinsam lernen, sensibler füreinander zu sein, damit sich niemand unnötig verletzt oder ausgeschlossen fühlt.


Reflexion

Wir ermutigen alle, sich regelmäßig zu fragen: „Wie wirken meine Worte und Taten auf andere?» Dazu gehört auch, die eigenen Privilegien, Überzeugungen und blinden Flecken wahrzunehmen. Es geht nicht darum, sich schuldig zu fühlen, sondern offen dafür zu sein, das eigene Verhalten anzupassen, wenn es andere belastet.
Eine Haltung der Neugier und des Lernens ist dabei wichtiger als Perfektion.


Feedback-Kultur

Offenes Feedback ist ein Geschenk für unser gemeinsames Miteinander. Wenn dir jemand mitteilt, dass etwas verletzend war oder nicht okay für diese Person ist, nimm dies ernst. Hör zu, reflektiere die Rückmeldung ohne sofortige Rechtfertigung und versuche, daraus zu lernen.
Fehler passieren – wichtig ist, dass wir bereit sind, sie anzuerkennen und unser Handeln entsprechend zu verändern.


Gleichwertigkeit

Wir feiern die Vielfalt, die uns zusammenbringt. Unser Raum ist bewusst offen und respektvoll gegenüber LGBTQIA+*, Menschen verschiedener Herkünfte, Religionen, Geschlechter, Geschlechtsidentitäten, Menschen mit Beeinträchtigung sowie allen anderen, die oft an den Rand gedrängt werden. Wir stehen aktiv für Inklusion und schaffen einen Ort, an dem alle in deren vollen Identität willkommen sind und sich wertgeschätzt fühlen.


Annahmen

Wir treffen keine Annahmen bezüglich Geschlecht, sexueller Orientierung, Identität, Glauben oder Herkunft. Statt eine Person vorschnell zu kategorisieren, fragen wir respektvoll nach den bevorzugten Pronomen und Namen. Wir sprechen alle so an, wie sie es wünschen, und vermeiden es, Geschlechterrollen oder Identitäten vorauszusetzen.
Wenn wir das Geschlecht einer Partnerperson nicht wissen, versuchen wir in einer geschlechtsneutralen Sprache über sie zu sprechen oder fragen ebenfalls nach.


Gender & Pronomen

Geschlechtsidentität/Gender beschreibt, wie sich eine Person innerlich fühlt und identifiziert, während Pronomen (wie er, sie, they) die sprachliche Anrede bezeichnen. Wir verwenden immer den gewünschten Namen und die gewünschten Pronomen einer Person, wenn wir mit oder über sie sprechen.
Uns ist bewusst, dass geschlechtsneutrale Pronomen für viele ungewohnt sind und viel Unsicherheit hervorrufen. Darum folgen hier ein paar Beispielsätze, dass die Anwendung klarer wird.

Anstatt ein Pronomen zu verwenden kann einfach der Name, also kein Pronomen verwendet werden:
Max geht zum Poly-Stammtisch. Oder auf Schweizerdeutsch: Max goht an Poly-Stammtisch.

Es kann aber auch ein Neopronomen wie they/them gebraucht werden:
They reicht das Wasser rüber. CH: They git s Wasser übere.
Kannst du them etwas ausrichten? CH: Chasch them öbbis usrichte?
Gestern lernte ich deren Partnerperson kennen. CH: Gester hanni deren Partnerperson kenneglehrt.

Um alle respektvoll einzubeziehen, können wir im Allgemeinen geschlechtsneutrale Begriffe in unsere Sprache einbauen. Wir können von einer Person reden, anstatt vorschnell in Frau oder Mann einzuteilen. Wir können von Teilnehmenden sprechen anstelle von Teilnehmer:innen. Dies braucht etwas Übung, passiert mit der Zeit jedoch ganz natürlich. Wir ermutigen euch, dies immer wieder zu versuchen.

Mehr Infos zu diesem Thema findest du hier: Link


Vertraulichkeit

Wir erzählen die besprochenen Themen und die Namen der Teilnehmenden nicht an Personen weiter, welche nicht an dem Treffen/in der Gruppe/im Chat waren oder sind. Viele von uns leben Aspekte ihres Lebens (wie z. B. Polyamorie oder queere Identitäten) in ihrem Alltag nicht offen aus. Wir schützen diese Privatsphäre, damit niemand in unangenehme Situationen geraten muss.
Wenn wir Menschen ausserhalb des Treffens mit anderen Menschen antreffen, sprechen wir nicht ungefragt an, dass die Person ebenfalls zum Poly-Treffen geht. Damit verhindern wir, sie gegenüber anderen Menschen ungewollt zu outen.


Konsens

Wir streben stets nach Konsens und Respekt vor den Grenzen anderer. Bevor wir uns in ein laufendes Gespräch einbringen, fragen wir kurz, ob wir dazukommen dürfen.
Auch bei körperlicher Nähe gilt: Jede Berührung – auch eine Umarmung, eine Hand auf der Schulter oder ein vermeintlich kleiner Kontakt – erfordert vorherige Zustimmung. Wir achten auf nonverbale Signale und fragen direkt nach, wenn wir unsicher sind.


Disclaimer / Triggerwarnung

Respekt bedeutet auch, Rücksicht auf die emotionale Belastbarkeit anderer zu nehmen. Wenn du vorhast, potenziell triggernde Themen zu besprechen oder zu schreiben (z. B. Gewalt, Missbrauch oder schwere Traumata), gib bitte kurz eine entsprechende Warnung ab. Dies ermöglicht es Menschen, die in diesem Bereich belastete Erfahrungen haben, sich vorzubereiten oder die Situation zu verlassen, ohne überrascht zu werden. (Einschub zwei geheime Botschaft: «die Policy gelesen!»)
Dies gilt unbedingt auch für den Diskussions-Chat oder in der Facebookgruppe. Füge der Nachricht in der ersten Zeile eine Warnung ein wie: «Achtung: Diese Nachricht handelt von Gewalt!». So können andere die Nachricht überspringen und können bewusst entscheiden, ob sie sich damit beschäftigen wollen oder nicht.


Gemeinsame Verantwortung

Damit unser Raum für jede:n sicher bleibt, sind wir alle in der Pflicht, diese Grundsätze zu achten. Sollte jemand wiederholt oder schwerwiegend gegen diese Regeln verstoßen und unsere Bemühungen um einen geschützten Raum untergraben, müssen wir leider den Ausschluss von den Treffen und der Online-Community in Betracht ziehen. Dies dient ausschließlich dem Schutz der Gemeinschaft und ist kein Wunsch, jemanden auszuschließen, sondern eine notwendige Maßnahme, um das Vertrauen und die Sicherheit für alle zu bewahren. Wir hoffen, dass wir dies gemeinsam durch offenen Dialog vermeiden können.

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